Home » Geschichte » Archiv » Israelische Verweigerinnen Mailaktion

Frauen verweigern den Kriegsdienst, dafür sitzen sie in Israel in Militärgefängnissen

In Israel, der sechstgrößten Atommacht herrscht für Frauen die Wehrpflicht. Die Pazifistin Inbal Gelbert wurde vom Gewissenskomitee nicht anerkannt, nach der Ablehnung wurde sie zum Militärdienst einberufen, sie verweigerte und ist seit November 2003 mehrfach inhaftiert worden.

Laura Milo ist vom Gewissenskomitee abgelehnt worden und hat sich am 23. Februar 2004 selbst bei der Einberufungsbehörde gestellt. Sie hatte betont, keine Pazifistin zu sein, ihre Verweigerung sei das Resultat der Besatzung, sie verweigere ihre Teilnehme an den Ungerechtigkeiten, die das israelische Militär im Namen des Staates ausübe. Laura Milo wurde am 23. Februar zu 14 Tagen Arrest verurteilt, dabei wurde ihr von einem Offizier mitgeteilt, sie solle sich darauf einstellen, für ein Jahr und neun Monate ins Gefängnis zu kommen.

Veronica Kravtov hatte eine akademische Ausbildung bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften begonnen, als sich ihre Gesinnung während der Ausbildung änderte und sie einen Antrag beim Gewissenskomitee gestellt hatte, wurde dieser mit der Begründung abgelehnt, dass an der akademischen Ausbildung teilnehmende Personen keine PazifistInnen sein könnten. Am 22. Februar wurde sie zu 14 Tagen Haft verurteilt.

Die WRI ruft zu Protestschreiben an israelische Behörden auf. Ein E-Mail kann verschickt werden unter: http://www.wri-irg.org/co/alerts/20040303a.html

Abgelehnt. Verurteilt. Eingesperrt.
Alles gleichberechtigt?

Die allgemeine Wehrpflicht für Frauen ist ein Ausnahmefall. Israel wird von Frauen und Männern gerne als Beispiel der Gleichbehandlung genannt, wenn es um die Diskussion der Zulassung von Frauen zum Militärdienst oder zu den Kampftruppen geht. GerechtigkeitsehtikerInnen bezeichnen den Militärdienst als StaatsbürgerInnenpflicht, so lange Frauen aus dieser staatsbürgerlichen Pflicht ausgeschlossen wären, wären sie auch keine vollwertigen und gleichberechtigten Bürgerinnen. Alice Schwarzer hatte einmal formuliert, erst die Wehrpflicht biete die Möglichkeit , sich zu verweigern. In Israel herrscht Wehrpflicht. Frauen haben verweigert. Sie werden verfolgt und eingesperrt. Ein Akt der Frauenbefreiung? Die Motivation ist jedenfalls in der Unvereinbarkeit des Gewissens mit dem Wehrdienst gelegen bzw. in einer Kritik der Besatzungspolitik des Staates Israel, diese Kritik hat zu verschärfter Strafandrohung geführt.

Die Beteiligung der Frauen am Militärwesen führt nicht automatisch zu einer Besserstellung der Frauen in der Gesellschaft, da Kriterien wie Zughörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, Alter, gesellschaftlicher Status in hohem Ausmaß die Ebene der Zuarbeit von Frauen zum Krieg bestimmen. Die Rechte und die Position von Frauen in der Gesellschaft hängen wenig von einer allgemeinen Beteiligung am Militärdienst ab, entscheidend ist die Frage in welcher Eigenschaft Frauen beteiligt sind und welche Quellen ziviler Macht zur Verfügung stehen.

Frauen waren immer schon integraler Bestandteil des militärischen Lebens, in den Streitkräften spiegelt sich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung des zivilen Arbeitsmarktes wider. Nur wenige Frauen sind mit spezifischen militärischen Aufgaben, mit Kämpfen und Töten betraut. Frauen haben in keiner Armee gleichen Zugang zu militärischen Verwendungen, militärische Aufgaben werden danach definiert, ob sie ausschließlich von Männern oder auch von Frauen ausgeführt werden, die Einbindung bedeutet eine Erweiterung der militärischen Front.

In Israel herrscht Wehrpflicht für Frauen. Die Armee verfolgt eine rigide Geschlechtertrennung. Die Frauen der „Zahal“ haben typisch weibliche Aufgabengebiete inne, insbesonders in der Verwaltung, in Pflegediensten und in Lehr- und Unterstützungsbereichen. Frauen sind nicht in die Kampfeinheiten einbezogen. Das Women’s Corps trägt die Bezeichnung „Khen“, das bedeutet „Charme“, die Aufgaben des „Chen“ liegen darin, die Moral der Truppe zu erhöhen und Soldaten einzelner Truppenteile zu betreuen.

Zur Grundausbildung gehört auch ein Kurs in Kosmetik, der Militärdienst für Frauen ist um 4-6 Monate kürzer als für Männer, Frauen sind vom Militärdienst entbunden, wenn sie das Alter von 24 Jahren erreicht haben oder schwanger werden. Weniger als 10% der BerufssoldatInnen sind Frauen, diese sind vo allem in den unteren Rängen zu finden. Die Befehlsgewalt der Offizierinnen ist ausschließlich auf Grundausbildung und Disziplinargewalt des „Chen“ begrenzt. Die Betonung des femininen Wesens weiblicher Soldaten trägt dazu bei, Frauen männlichen Soldaten gegenüber in eine untergeordnete Position zu drängen, die weiblichen Soldaten sollen den männlichen Soldaten das Leben angenehmer machen und den Militärdienst humanisieren.

Die Aufgaben der Soldatinnen in der „Zahal“ sind definiert als Stärkung der Kampfkraft durch Erfüllung administrativer und professioneller Aufgaben und Hilfstätigkeiten, um männliche Soldaten zu entlasten, Frauen sollen sich selbst verteidigen und ihr Zuhause schützen können und in die sicherheitspolitischen Anstrengungen Israels eingebunden sein, die israelische Armee besitzt hohe Legitimität in der Bevölkerung, infolge der ständigen militärischen Konfrontation und der Kleinheit des Landes liegt ein kontinuierlicher Austausch von Zivilgesellschaft und Armee vor, die symbolische Identifizierung von Bevölkerung und Staat mit der Armee ist wesentlicher Bestandteil zur Konsolidierung des nationalen Konsens. Daher ist der wichtigste Inklusionsfaktor die nationale bzw. ethnische Zugehörigkeit. 100% der Frauen und die große Mehrheit der Männer, die der israelischen Armee angehören sind jüdischer Zugehörigkeit.

Die von der Armee beschäftigten Frauen sind hauptsächlich gebildete jüdische Frauen, arme und andersgläubige Frauen sind nicht anzutreffen. Die israelische Armee ist kein Ort der Gleichheit sondern pflegt einen Gender-Diskurs, der Frauen als subaltern, schutzbedürftig, dienend und für die Belange des Staates zweitrangig darstellt. Im Rahmen der extrem hierarchischen und bürokratischen Maschinerie modernen Streitkräfte kann, wie im Falle der israelischen Armee die Differenzierung zwischen den Geschlechtern noch stärker und nachhaltiger institutionalisiert werden als auf dem zivilen Arbeitsmarkt.

„Männer an den Herd statt Frauen zur Armee“ lautete der Titel einer Aktionsgruppe der Arge Wehrdienstverweigerung & Gewaltfreiheit als am 1. April 1997 allen Aprilscherzen zum Trotz Frauen zum österreichischen Bundesheer zugelassen wurden. Wir wollen in einem männlich definierten System struktureller Gewalt weder gleichberechtigt noch untergeordnet töten oder sterben, verhaftet oder eingesperrt werden.
Wir wollen gleichberechtigt leben.
In einer gewalt- und vor allem heerschaftsfreien Gesellschaft.



arge wdv