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Das Bundesheer ist auf der verzweifelten Suche nach richtigen „Männern“. Sie sollten nicht der sogenannten ‚Schulbusgeneration’ angehören, sie sollten auch keine ‚Gärtner’ und ‚Kleintierzüchter’ sein. Der Standard berichtete kürzlich über diese Werbungskampagne des Kommandos der Kaderpräsenzeinheiten (KIOP/KPE) im steirischen Straß: „Nach wie vor suchen wir Männer und Frauen, die sich als Soldaten für große Herausforderungen im In- und Ausland entscheiden ...“, die betreffenden Personen sollen auch keine ‚Weicheier’ sein, denn es winken Kampfeinsätze im Rahmen der EU, in der Sprache der Armee nennt sich das „friedenserhaltende Einsätze im Ausland’. Aus Afghanistan und dem Irak kommen SoldatInnen häufig in Särgen zurück in ihre Herkunftsorte, von den zivilen Opfern erfahren wir in den Nachrichten meist erst dann, wenn auch SoldatInnen der ‚Elitenationen’ betroffen sind.

Das Kommando in Straß ist für seinen Blickwinkel bekannt. Es wurde von Beginn an kein gutes Haar an der Bundesheerreform gelassen: „Die Tendenz zum Berufsheer vernachlässigt die Reservekomponente vollständig. Bei einer Dienstzeit von sechs plus null Monaten schrumpft der Milizstand automatisch – obwohl eine Aufstellung von internationalen Einheiten ohne Heranziehung von Freiwilligen aus der Miliz nicht funktionieren kann.“ (Milizoberst Lugert)

Straß in der Steiermark ist jenes Militärgelände, das allem Scherz zum Trotz am ersten April 1998 den ersten Frauen ihren Einberufungsbefehl ausstellte, um sie begleitet von den Protesten friedensbewegter Menschen in die Armee aufzunehmen. Sowohl das Anliegen als auch die Sprache verraten die Absichten der Militärstrategen: die zur Verfügung stehenden Männer reichen nicht aus, um die militärischen Pläne umsetzen zu können, qualitativ wie quantitativ werden notgedrungen, um das Schlachtvieh aufzustocken, auch Frauen herangezogen.

Selbstverständlich brauchen wir in unserer Gesellschaft Gärtner und Gärtnerinnen, Menschen, die sich mit Kräuterkunde und Kleintierzucht beschäftigen, insbesonders um jene vom Aussterben bedrohten Pflanzen- und Tierarten zu retten, die ein vielfältiges Leben ermöglichen. ‚Weicheier’ sind auch nett. Wer mag schon ein nach Monaten ausgegrabenes steinhartes Osterei als Genuß oder als ein zum Verzehr geeignetes Lebensmittel empfinden? Aber: so ein weiches Früchstücksei, das hat doch was, insbesonders, wenn es eine Henne gelegt hat, die durch keine quälende Maschinerie gesteuert wurde.

Wenn es auch skandalös klingt: wir sind für weiche Eier, und für die Gärtnerei und für die Kleintierzucht. Weil wir das Leben lieben.
Jeder einzelne Mensch, jede einzelne Person ist zu kostbar, um sich der Blutgier jener auszusetzen, die bereit sind, sich und andere blindwütig in den Tod zu schicken. Zerstörerisch ist die Aufforderung der Armee, SoldatInnen in den Tod zu schicken. Es stellt sich nicht einfach die Frage, wie schnell ein Leben zerbricht, es stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten wir sehen, um ein Leben zu retten: für eine Welt ohne Waffen und Krieg, für eine gewalt- und heerschaftsfreie Gesellschaft; zur Vorankündigung: Aktion am 26. Oktober wie immer gegen die Heeresschau am Heldenplatz, Infos folgen;

rosalia krenn
arge wehrdienstverweigerung, gewaltfreiheit & flĂĽchtlingsbetreuung



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